Wunden verstehen – Wunden heilen: “Das wichtige ist die Ursachentherapie”

Vor der Behand­lung einer Wun­de müs­sen Ursa­chen und die Ver­hal­tens­wei­sen des Pati­en­ten ermit­telt wer­den. Die­sen Rat gab Vero­ni­ka Ger­ber, Vor­sit­zen­de der Initia­ti­ve Chro­ni­sche Wun­den, den rund 1000 Besu­chern des dies­jäh­ri­gen Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gres­ses.

Damit ent­fal­len zwar Aus­le­gungs­strei­tig­kei­ten etwa mit dem MDK; zugleich könn­te aber eine Nicht­be­ach­tung der Stan­dards gra­vie­ren­de Fol­gen für Ein­rich­tun­gen haben. Doch kön­nen die Pfle­gen­den ange­sichts der schon jetzt hohen Arbeits­be­las­tung den neu­en Mobi­li­täts­stan­dard über­haupt schul­tern? Und was brin­gen die Neu­re­ge­lun­gen den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen? Ange­sichts der vie­len Unge­wiss­hei­ten und offe­nen Fra­gen hat­te der JHC 2014 mit sei­ner The­men­set­zung offen­bar einen Nerv getrof­fen: “Mein (Das) Recht auf Mobi­li­tät” war das Mot­to der sieb­ten Auf­la­ge der inter­dis­zi­pli­nä­ren, medi­zin- und pfle­ge­recht­li­chen Tagung, die mit knapp 600 Teil­neh­mern eine gro­ße Reso­nanz fand. Die Berufs­ge­nos­sen­schaft für Gesund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge (BGW) hat­te das Pro­gramm als Koope­ra­ti­ons­part­ner mit­or­ga­ni­siert; erst­mals beim JHC fand zudem ein beglei­ten­des Satel­li­ten­sym­po­si­um statt: Auf Ein­la­dung der Fir­ma Hill-Rom dis­ku­tier­ten die Teil­neh­mer über Mobi­li­tät im Alter und die demo­gra­fi­sche Her­aus­for­de­rung für das Pfle­ge­we­sen. Im Rah­men der beglei­ten­den Indus­trie­aus­stel­lung prä­sen­tier­ten zudem 16 Fir­men und Insti­tu­tio­nen ihre Neu­hei­ten, z.T. mit direk­tem Bezug zum Ober­the­ma Mobi­li­tät: So wur­de der in Japan ent­wi­ckel­te HAL-Robo­ter­an­zug vor­ge­führt, der Per­so­nen mit mas­si­ven kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen bei ihrer Fort­be­we­gung unter­stützt. Und Reprä­sen­tan­ten des Auto­bau­ers BMW gaben mit dem BMW i3 einen Aus­blick in die Elek­tro­mo­bi­li­tät.

Über eine For­de­rung wur­den sich die Teil­neh­mer schnell einig – um die neu­en Anfor­de­run­gen mit Leben fül­len zu kön­nen, muss mehr und qua­li­fi­zier­te­res Per­so­nal in der Pfle­ge her. Eben­so wich­tig wie das Wohl der Betreu­ten sei es zudem, die Mobil- und Gesund­erhal­tung der Pfle­gen­den selbst einen höhe­ren Stel­len­wert zuzu­er­ken­nen. “Jede poli­ti­sche Reform ist zum Schei­tern ver­ur­teilt, wenn sie nicht die Arbeits­be­din­gun­gen der Pfle­gen­den in den Blick nimmt!” for­mu­lier­te Andre­as Wes­ter­fell­haus, Prä­si­dent des Deut­schen Pfle­gera­tes, in sei­nem Gruß­wort.

Auch Kon­gress­or­ga­ni­sa­tor Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf wies auf die schon jetzt hohen Belas­tun­gen für die Pfle­gen­den hin, die nicht fol­gen­los blei­ben: “Jede Minu­te ver­letzt sich in Deutsch­land eine Pfle­ge­kraft den Rücken”, so Groß­kopf. Des­halb sei es rich­tig und wich­tig, bei dem Exper­ten­stan­dard auch beim Per­so­nal anzu­set­zen. Vera Lux, Pfle­ge­di­rek­to­rin der Uni­kli­nik Köln, sieht die Defi­ni­ti­on der Mobi­li­tät nun deut­lich erwei­tert, die sich bis­her vor allem auf die Abwehr von Scha­dens­fäl­len wie z.B. Stür­zen erschöp­fe.

Prof. Dr. Andrea Schiff, die als Mit­glied der Exper­ten­grup­pe am Stan­dard mit­ge­wirkt hat­te, for­der­te von den Pfle­gen­den mehr all­täg­li­che Übun­gen mit den Pati­en­ten. “Der Umfang der För­de­rung fin­det jedoch sei­ne Gren­ze bei der Belast­bar­keit des Pfle­ge­per­so­nals”, stell­te aber auch sie klar. Zudem dür­fe es kei­ne Akti­vie­rung gegen den Wil­len der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen geben – auch der Ver­zicht auf Mobi­li­tät gehö­re zum Selbst­be­stim­mungs­recht­des Pati­en­ten. Pfle­ge­wirt Sascha Saßen wie­der­um äußer­te Zwei­fel dar­an, dass das Regel­werk in sei­ner aktu­el­len Form über­haupt Gel­tung erlan­gen wer­de: “Die Imple­men­tie­rung ab Okto­ber 2014 ist ein hoch­span­nen­der Pro­zess, denn hier wird ein kom­plett neu­es Erpro­bungs­ver­fah­ren ein­ge­setzt.”

Eng ver­knüpft mit dem The­ma Mobi­li­tät sind auch die umstrit­te­nen Frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­men, ein Spe­zi­al­ge­biet von Rechts­an­walt Hubert Klein. Er beton­te das Selbst­be­stim­mungs­recht der Betreu­ten und warn­te vor all­zu vor­schnel­len Fixie­run­gen und Siche­run­gen – denen zwin­gend eine Ein­wil­li­gung des Betrof­fe­nen oder eine gericht­li­che Geneh­mi­gung vor­an­ge­hen müs­se. Zudem gehör­ten laut neu­es­ter Recht­spre­chung Stür­ze nicht mehr dem voll­be­herrsch­ba­ren Herr­schafts- und Orga­ni­sa­ti­ons­be­reich einer Ein­rich­tung an.

Die nächs­te Auf­la­ge des JuraHe­alth Con­gress wird am 23. April 2015 unter dem Mot­to “Demenz – Ver­ste­hen. Unter­stüt­zen. Pro­fes­sio­nell Han­deln” erneut in Köln statt­fin­den.

Die­ser Bei­trag erschien erst­mals in der Fach­zeit­schrift Rechts­de­pe­sche.