15. Pflegefortbildung des Westens – Pressemeldung + Veranstaltungsfilm

„Digi­tal first – Beden­ken second.“ Dies war einer der Wahl-Slo­gans einer mitt­ler­wei­le in der Bun­des­re­gie­rung ver­tre­te­nen Par­tei – doch inwie­weit lässt sich die Devi­se aufs Gesund­heits- und Pfle­ge­we­sen über­tra­gen? „Wenn man über­haupt etwas Posi­ti­ves aus der nun all­mäh­lich hin­ter uns lie­gen­den Coro­na-Pan­de­mie her­aus­zie­hen kann, ist es, dass wir uns end­gül­tig dem Digi­ta­len zuge­wandt haben. Ich hof­fe, dass die letz­ten Fax­ge­rä­te in den Behör­den durch moder­ne PC-Tech­nik ersetzt wer­den; der QR-Code, der längst tot­ge­sagt war, erleb­te eine Renais­sance“, beton­te Initia­tor der Pfle­ge­fort­bil­dung, Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf in sei­ner Eröff­nungs­re­de. „Noch vor eini­gen Jah­ren hät­te man jeman­den für ver­rückt erklärt, wenn die­ser erklär­te, dass er sei­ne Fort­bil­dung per Online-Kon­fe­renz macht, denn Zoom & Co. kann­te kaum jemand. Wir scho­nen die Umwelt, wir spa­ren Zeit, wir brau­chen nicht hin und her fah­ren“, so Groß­kopf wei­ter. „Aber es fehlt etwas: die Begeg­nung unter­ein­an­der, das Gespräch. Wir alle sind nun mal sozia­le Men­schen. Zum Glück kön­nen wir nun die Gesich­ter wie­der­erken­nen, die nicht mehr hin­ter Mas­ken ver­bor­gen sind.“

Die Chan­cen, aber auch die Risi­ken der fort­schrei­ten­den Digi­ta­li­sie­rung waren das Kern­the­ma der vier­ten Auf­la­ge der „Pfle­ge­fort­bil­dung des Wes­tens“ (JHC) am Don­ners­tag, 19. Mai, in den Köl­ner Sar­to­ry-Sälen. Inklu­si­ve des Vor­gän­ger-Ver­an­stal­tungs­for­mats, dem vor­ma­li­gen JuraHe­alth Con­gress (JHC), war es bereits die 15. Ver­an­stal­tung seit 2008. Erst­mals seit 2019 fand der Kon­gress­tag wie­der live vor Publi­kum statt – 2020 und 2021 war die Pfle­ge­fort­bil­dung des Wes­tens als rei­nes Online-Event über die Büh­ne gegan­gen. Mehr als 300 Gäs­te fan­den den Weg nach Köln, und erleb­ten einen wie gewohnt anre­gen­den Kon­gress­tag vol­ler Ein­sich­ten, Neue­run­gen von der Indus­trie­aus­stel­lung und den gro­ßen, brei­ten Aus­tausch mit Bran­chen-Kol­le­gin­nen und ‑Kol­le­gen.

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Unser Ver­an­stal­tungs­film der Pfle­ge­fort­bil­dung des Wes­tens 2022

Die Begrüßung und die Voträge

Doch wehe dem, der an den Vor­zü­gen des Digi­ta­len nicht teil­neh­men kann oder will – weil er oder sie es nie gelernt haben, oder sich im fort­ge­schrit­te­nen Alter nicht mehr aneig­nen wol­len. Dar­auf mach­te auch Mode­ra­tor Jörg Schmeng­ler aufmerksam.

„Die Wahr­neh­mung des Rechts auf eine ana­lo­ge Welt wird immer schwie­ri­ger. Die zweit­größ­te Bank Deutsch­lands etwa hat in der Coro­na-Zeit ihr Fili­al­netz von 1000 auf 400 redu­ziert. Und das mit dem Schu­he­kau­fen ist kniff­lig, wenn es in der Innen­stadt kei­ne Läden mehr gibt.“ – „Es ist ein Segen und ein Fluch zugleich. Eine Rie­sen­chan­ce, die aber auch Risi­ken birgt“, fand auch Mari­na Fili­po­vić, Pfle­ge­di­rek­to­rin und Vor­stands­mit­glied der Uni­kli­nik Köln, in ihrem Gruß­wort. In ihrem Hei­mat­land Kroa­ti­en etwa sei die Digi­ta­li­sie­rung schon viel wei­ter. „Dort sind E‑Rezepte schon längst Stan­dard. Mei­ne Schwes­ter war bei ihrem Besuch in Köln erstaunt, beim Arzt ein Stück Papier über­reicht zu bekom­men.“ Auch Ange­li­ka Zege­lin, eme­ri­tier­te Pro­fes­so­rin für Pfle­ge­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät Witten/Herdecke, berich­te­te von Wider­stän­den unter Aus­zu­bil­den­den gegen all­zu­viel Tech­nik. „Da heißt es schon mal, ich bin gera­de in die Pfle­ge gegan­gen, damit ich das nicht habe – dass ich am Men­schen arbei­te.“ Dass es zur demo­gra­fi­schen Lücke kei­ne ver­läss­li­chen Zah­len gebe, sei eine gesund­heit­li­che Kata­stro­phe, beton­te sie.

Wie sehr das demo­gra­fi­sche Pro­blem nach digi­ta­ler (Ab-)Hilfe schreit, ver­deut­lich­te Prof. Dr. Groß­kopf in sei­nem spä­te­ren Vor­trag „Wege aus der demo­gra­fi­schen Kata­stro­phe“. Denn wenn die Baby­boo­mer aus den 1960er-Jah­ren in Ren­te gin­gen, wer­de sich die Lage schlag­ar­tig ver­schär­fen. „So gut, wie es uns jetzt per­so­nell geht, wird es uns in den nächs­ten 30, 40 Jah­ren nicht mehr gehen. Wir haben jetzt sozu­sa­gen ein Best-Case-Sze­na­rio.“ Man müs­se über ein höhe­res Ren­ten­al­ter nach­den­ken, und ein Auf­he­ben der star­ren Pen­sio­nie­rungs-Gren­zen. „Arbeit hat eben auch etwas Sinn­stif­ten­des, vie­le wol­len gar nicht auf­hö­ren.“ Sein Kanz­lei-Kol­le­ge, Rechts­an­walt Hubert Klein, ging auf die Fra­ge des Daten­schut­zes ange­sichts der drän­gen­den digi­ta­len Durch­drin­gung von Gesund­heit und Pfle­ge ein – mit dem immer noch aktu­el­len Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, als auch der „sehr belieb­ten“ DSGVO. Doch Deutsch­land lau­fe Gefahr, den Bogen zu über­span­nen. „Was hät­ten wir uns in der Coro­na-Nach­ver­fol­gung erspa­ren kön­nen, wenn der Daten­schutz nicht so peni­bel gehand­habt wor­den wäre? Dass ich an die­sem und jenem Tag in der und jener Knei­pe war, na und? Wir schüt­zen uns in Deutsch­land zu Tode, das sage ich seit Jahren.“

„Tech­nik tötet Mensch­lich­keit – die­se The­se lässt sich in der Pra­xis nicht bestä­ti­gen“, pos­tu­lier­te dage­gen Bir­git Michels-Rieß, Ein­rich­tungs­lei­te­rin bei den Bie­le­fel­der Bodel­schwingh­schen Stif­tun­gen (Alten­hil­fe Bethel). „Bei den Ein­sät­zen von digi­ta­len Ange­bo­ten hat sich gezeigt, dass tech­ni­sche Sys­te­me bei der Ent­wick­lung und dem Ein­satz die vor­han­de­nen Pfle­ge­kräf­te ent­las­ten, und in ihrer Arbeit unter­stüt­zen müs­sen – und dabei gleich­zei­tig die Bezie­hungs­ar­beit nicht ein­schrän­ken dür­fen.“ Mit dem The­ma Tele­me­di­zin beschäf­tigt sich Micha­el Cza­plik von der RWTH Aachen. Tele-Visi­ten könn­ten etwa durch ein­ge­spar­te Fahrt­zei­ten Res­sour­cen spa­ren hel­fen; doch digi­ta­le Arzt­an­ge­bo­te erfor­der­ten lang­jäh­ri­ge prak­ti­sche Erfah­rung und eine gute Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Fähig­keit. Beim beglei­ten­den Satel­li­ten­sym­po­si­um der Berufs­ge­nos­sen­schaft für die Gesund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge (BGW) gab es eine inter­es­san­te Pro- und Con­tra-Debat­te zur Digi­ta­li­sie­rung zwi­schen Det­lef Fried­rich, Geschäfts­füh­rer der con­tec GmbH für Per­so­nal­be­ra­tung in der Gesund­heits­bran­che, und Gui­do Heu­el, Pro­fes­sor an der Katho­li­schen Hoch­schu­le NRW, Stand­ort Köln (KatHO).

Das Innovationsforum der Pflegefortbildung

Und zudem gab es einen neu­en Zugang in der Sie­ger­lis­te des Inno­va­ti­ons­fo­rums, das 2019 zur ers­ten „Pfle­ge­fort­bil­dung des Wes­tens“ Pre­mie­re gefei­ert hat­te. Zwölf Unter­neh­men nah­men mit ihren Neu­ent­wick­lun­gen und Pro­duk­ten am Wett­be­werb für Inno­va­teu­re teil; es sieg­te die Plan­He­ro GmbH aus Dres­den, die ein KI-gestütz­tes Per­so­nal­pla­nungs- und Schicht­ma­nage­ment-Sys­tem vor­stell­te. Dies wur­de vor allem Din­gen von den anwe­sen­den Pfle­ge­dienst­lei­tun­gen gou­tiert. Auf dem zwei­ten Platz lan­de­ten die enna GmbH mit einem senio­ren­ge­rech­ten Tablet- und Smart-Home-Sys­tem, gefolgt von der LUCI GmbH, einer Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Social-Media-Platt­form für Ein­rich­tun­gen, Bewoh­ner und Ange­hö­ri­ge, um ein­fa­cher und güns­ti­ger zu kom­mu­ni­zie­ren und zusam­men­zu­ar­bei­ten. In den Vor­jah­ren hat­ten die Pfle­ge­wis­sen-Quiz-App „SuperN­ur­se“, die Smart­pho­ne-gestütz­te Gang- und Sturz­prä­ven­ti­ons­ana­ly­se der Lin­de­ra GmbH und das Deutsch­kurs-Sprach­an­ge­bot für Pfle­ge­kräf­te der Bil­dungs­pro­fis Inter­na­tio­nal UG das Ren­nen gemacht.

Gewinner der Pflegefortbildung 2022
Gewin­ner der Pfle­ge­fort­bil­dung 2022

Die fünf­te Pfle­ge­fort­bil­dung des Wes­tens wird am 11. Mai 2023 statt­fin­den, erneut „live und in Far­be“ auf der Büh­ne der Köl­ner Sar­to­ry-Säle. Anmel­dun­gen sind sowohl hier als auch direkt auf der Sei­te der Pfle­ge­fort­bil­dung möglich.