Kompakte Fortbildung und intensiver Gedankenaustausch in entspannter Atmosphäre

Die Redak­ti­on der Rechts­de­pe­sche lud aber­mals Inter­es­sier­te aus den ambu­lan­ten und sta­tio­nä­ren Ver­sor­gungs­sek­to­ren zu einer ein­wö­chi­gen Fort­bil­dungs­rei­se auf die Son­nen­in­sel Gran Cana­ria ein. Zen­tra­le Fort­bil­dungs­the­men waren das medi­zin- und pfle­ge­recht­li­che Haf­tungs­recht und die Pro­blem­la­gen des ambulant/stationären Schnitt­stel­len­ma­nage­ments.

Zu Beginn des ers­ten Tages ver­wies Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf von der Katho­li­schen Hoch­schu­le NW und Her­aus­ge­ber der “Rechts­de­pe­sche für das Gesund­heits­we­sen” auf einen “Dau­er­bren­ner” in der gesund­heits­recht­li­chen Dis­kus­si­on: die Über­tra­gung von ärzt­li­chen Tätig­kei­ten auf nicht­ärzt­li­che Mit­ar­bei­ter. Er ver­deut­lich­te die Dele­ga­ti­ons­prin­zi­pi­en am Bei­spiel der Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on in der Wund­be­hand­lung.

Das medi­zi­ni­sche Hand­lungs­feld “Wund­ver­sor­gung” wur­de im anschlie­ßen­den Work­shop auch von Micha­el Zöll­ner (Smith & Nephew) auf­ge­grif­fen. Er ergänz­te die Aus­füh­run­gen von Groß­kopf durch Erläu­te­run­gen zum mög­li­chen Zusam­men­wir­ken von Leis­tungs­er­brin­gern und Indus­trie. Das Feld der inte­grier­ten Ver­sor­gung wür­de auch im Bereich der Wund­ver­sor­gung eine Viel­falt von Hand­lungs­op­tio­nen für Ärz­te und Pfle­ge­kräf­te bie­ten. Der Nutz­nie­ßer von intel­li­gent aus­ge­stal­te­ten Ver­sor­gungs­struk­tu­ren sei in jedem Fall der Pati­ent. In ein ande­res Pro­blem­feld führ­te Micha­el Schanz, Chef­re­dak­teur der “Rechts­de­pe­sche”, ein: die Doku­men­ta­ti­on. Er zeig­te die recht­li­chen Gren­zen der Doku­men­ta­ti­on medi­zi­ni­scher und pfle­ge­ri­scher Sach­ver­hal­te auf. Unter ande­rem stell­te er fest, dass die Pfle­ge­pla­nung aus dem bis­he­ri­gen juris­ti­schen Ver­ständ­nis der Doku­men­ta­ti­on her­aus­bricht: Die Recht­spre­chung ver­tritt bis­lang die Ansicht, dass nur die Durch­füh­rung einer Maß­nah­me, nicht jedoch deren Pla­nung nach­zu­wei­sen ist.

Dipl.-Berufspädagoge Mar­co Di Bel­la erläu­ter­te im Nach­gang prak­ti­sche Pro­ble­me bei der Erstel­lung der Pfle­ge­do­ku­men­ta­ti­on. Wenn­gleich immer weni­ger for­mel­le Feh­ler zu beob­ach­ten sei­en, könn­ten bei der Begut­ach­tung von Pfle­ge­pla­nun­gen inhalt­li­che Brü­che erkannt wer­den. So wür­den z.B. die Maß­nah­men nicht zu den gesetz­ten Zie­len pas­sen. Außer­dem wür­de die sys­te­ma­ti­sche Eva­lua­ti­on von Pfle­ge­maß­nah­men noch häu­fig stief­müt­ter­lich behan­delt. “Für die Gewähr­leis­tung und Ent­wick­lung von Pfle­ge­qua­li­tät ist die­se jedoch uner­läss­lich”, so Di Bel­la.

Einen ande­ren Bereich der Doku­men­ta­ti­on beleuch­te­te Ste­fan Glau. Als Geschäfts­füh­rer von Jalo­med, einem auf die Ent­wick­lung von Wund­do­ku­men­ta­ti­ons­soft­ware spe­zia­li­sier­ten Unter­neh­men, zeigt er die beson­de­ren tech­ni­schen und fach­li­chen Anfor­de­run­gen von der digi­ta­len Doku­men­ta­ti­on auf. Durch ver­schie­de­ne Fall­bei­spie­le beleg­te er, dass der Hei­lungs­ver­lauf einer Wun­de nir­gends bes­ser abge­bil­det wer­den kann als im Com­pu­ter.

Dem an Bedeu­tung gewin­nen­den Gebiet des Betreu­ungs- und Unter­brin­gungs­rechts wur­de ein gan­zer Unter­richts­tag gewid­met. Der Köl­ner Rechts­an­walt und Betreu­ungs­rechts­ex­per­te Hubert Klein führ­te anhand prak­ti­scher Fäl­le etli­che Fehl­vor­stel­lun­gen vor Augen: Vie­le Teil­neh­mer waren von dem Umstand über­rascht, dass von Ehe­part­nern erteil­te Ein­wil­li­gun­gen in ärzt­li­che Behand­lun­gen rechts­un­wirk­sam sind, wenn der Ehe­gat­te zuvor nicht aus­drück­lich bevoll­mäch­tigt wur­de. “Die Ehe erzeugt kein Ver­tre­tungs­recht”, so Klein. Wer für den Bedarfs­fall kei­ne Voll­macht für sei­nen Ehe­gat­ten hin­ter­legt hat, erzwin­ge dann ein vor­mund­schaft­li­ches Betreu­ungs­ver­fah­ren. Als beson­ders inter­es­sant gestal­te­te sich die Zusam­men­kunft mit Ver­tre­tern der orts­an­säs­si­gen Roca-Kli­nik. Die Ein­rich­tung gehört zur spa­ni­schen Hos­pi­ten-Ket­te, die vor­wie­gend auf den spa­ni­schen Inseln Kran­ken­häu­ser, Reha-Kli­ni­ken und Alten­hei­me betreibt. Die Ver­sor­gung der Roca-Kli­nik setzt ver­schie­de­ne Schwer­punk­te (Augen­heil­kun­de, Dia­ly­se, MRT, Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin). In allen Berei­chen wer­den zumeist inter­na­tio­na­le Pati­en­ten behan­delt, wes­halb sich auch die Struk­tur des Per­so­nals mul­ti­kul­tu­rell gestal­tet. “Grund­la­ge unse­rer Zusam­men­ar­beit ist gegen­sei­ti­ger Respekt”, so die Kol­le­gen aus Gran Cana­ria. Mar­kus Port (HSC) refe­rier­te über Auf­bau und Manage­ment von Netz­wer­ken durch Home­Ca­re-Unter­neh­men. Ziel der­ar­ti­ger Netz­wer­ke sei die Gewähr­leis­tung der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Netz­werk­part­nern, koope­ra­ti­ves Han­deln und gere­gel­tes Schnitt­stel­len­ma­nage­ment. Als Vor­tei­le benann­te er u.a. die Redu­zie­rung von soge­nann­ten Dreh­tür­ef­fek­ten und Dop­pel­un­ter­su­chun­gen.

Mit Tem­pe­ra­tu­ren bis zu 25 Grad und spa­ni­schem Flair bot Gran Cana­ria ange­nehms­te Bedin­gun­gen für einen regen inter­dis­zi­pli­nä­ren Infor­ma­ti­ons­aus­tausch. Auf­grund der posi­ti­ven Reso­nanz des Fort­bil­dungs­kon­zepts bie­tet der G&S Ver­lag auch im kom­men­den Jahr eine Fort­bil­dungs­rei­se an. Vor­aus­sicht­li­che The­men: Risiko‑, Qua­li­täts- und Haft­pflicht­ma­nage­ment sowie arbeits- und haf­tungs­recht­li­che Ent­wick­lun­gen.

Die­ser Bei­trag erschien erst­mals in der Fach­zeit­schrift Rechts­de­pe­sche.