Der Sturz – eine neue Herausforderung für die Pflege

Seit der Ein­füh­rung des “Exper­ten­stan­dards Sturz­pro­phy­la­xe in der Pfle­ge” sind zuneh­mend Akti­vi­tä­ten zur Umset­zung in ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits­we­sens zu beob­ach­ten. Die­se Ent­wick­lung ist sehr zu begrü­ßen, da zeit­gleich auch die recht­li­che Rele­vanz des The­mas “Sturz” enorm zuge­nom­men hat.

Prof. Dr. Groß­kopf, Dekan des Fach­be­reichs Gesund­heits­we­sen der Katho­li­schen Fach­hoch­schu­le NW, führ­te in sei­nem Vor­trag aus, dass Pfle­ge­qua­li­tät untrenn­bar mit der Ver­mei­dung von Gefah­ren, bei­spiels­wei­se dem Sturz eines Pati­en­ten bzw. Bewoh­ners, ver­bun­den sei: “Leit­li­ni­en und Exper­ten­stan­dards zei­gen auf, was unter ratio­na­len Gesichts­punk­ten für die ein­zel­ne Pfle­ge­kraft zur­zeit in der Pfle­ge sinn­voll wäre”, so Prof. Groß­kopf.

Hei­ko Fil­li­beck, Refe­rent für Pfle­ge­pra­xis im Kura­to­ri­um deut­sche Alters­hil­fe, war bei der Gestal­tung des Exper­ten­stan­dards betei­ligt und berich­te­te in sei­nem Refe­rat über die posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die die Exper­ten­stan­dards in den Pfle­ge­be­rei­chen erzielt haben. Vor allem brin­gen sie für das in der Pfle­ge täti­ge Fach­per­so­nal den gro­ßen Vor­teil, sicher sein zu kön­nen, was der tat­säch­li­che aktu­el­le pfle­ge­wis­sen­schaft­li­che Stand ist.

Dass mit der Anwen­dung der natio­na­len Exper­ten­stan­dards auch die Grund­la­ge für das gesetz­lich gefor­der­te Qua­li­täts­ma­nage­ment gelegt wird, erläu­ter­te Dipl.-Pflegewirt Sascha Saßen. So sei die Evi­denz­ba­sie­rung der Pro­ze­du­ren­len­kung (vgl. § 11 Abs. 1 SGB XI und § 12 Abs. 1 SGB V) schnell zu rea­li­sie­ren, da die Stan­dards bereits auf einer sys­te­ma­ti­schen For­schung beru­hen und so als Basis für kon­kre­te Ver­fah­rens­an­wei­sun­gen die­nen kön­nen.

In direk­tem Zusam­men­hang mit dem The­ma Sturz steht ein wei­te­res Pro­blem­feld: die Fixie­rung. Nicht sel­ten wer­den Fixie­rungs­maß­nah­men pro­phy­lak­tisch zur Ver­hin­de­rung eines Sturz­ge­sche­hens durch­ge­führt (z.B. durch Hoch­zie­hen von Bett­git­tern). Unter wel­chen Bedin­gun­gen sol­che Maß­nah­men recht­mä­ßig oder feh­ler­haft sind, wur­de anschau­lich von Rechts­an­walt Hubert Klein aus Köln dar­ge­legt. Er erläu­ter­te, dass bereits ver­meint­lich “klei­ne” Hand­lun­gen wie das Weg­neh­men von Bril­len und Geh­hil­fen den Tat­be­stand der Frei­heits­be­rau­bung erfül­len kön­nen. Dage­gen sei es als ein Pflicht­ver­säum­nis anzu­se­hen, wenn etwa bei einer kon­kre­ten (Sturz-)Gefährdung von Risi­ko­pa­ti­en­ten kei­ne Fixie­rung durch­ge­führt wür­de.

Abschlie­ßend stell­te Rolf Höfert, Geschäfts­füh­rer des Deut­schen Pfle­ge­ver­bands (DPV), her­aus, dass die haf­tungs­recht­lich rele­van­ten Exper­ten­stan­dards zur Sturz- und Deku­bi­tus­pro­phy­la­xe eher den pro­zess­füh­ren­den Medi­zin­recht­lern als den han­deln­den Pfle­ge­kräf­ten bekannt sind.

Die gut besuch­te Ver­an­stal­tung zeig­te, dass die Ver­an­stal­ter – das Köl­ner Fort­bil­dungs­in­sti­tut PWG-Semi­na­re und der DPV – es wie­der geschafft haben, die recht­li­che Rele­vanz für den Arbeits­all­tag von Pfle­gen­den anschau­lich und inter­es­sant dar­zu­le­gen.

Das 7. Sym­po­si­um des Pfle­ge­rechts wird am 12. Dezem­ber 2006 in Köln-Deutz zum The­ma “Kon­ti­nenz­för­de­rung” statt­fin­den.

Die­ser Bei­trag erschien erst­mals in der Fach­zeit­schrift Rechts­de­pe­sche.