Arbeitsplatz Wunde: Qualitätssteigerung durch Wissensvorsprung

Der Inter­dis­zi­pli­nä­re Wund­Con­gress (IWC), die all­jähr­lich Ende Novem­ber in den Köl­ner Sar­to­ty Sälen statt­fin­den­de Fach­ver­an­stal­tung für alle im Bereich der Wund­ver­sor­gung Täti­gen, konn­te auch in sei­ner 2012er Auf­la­ge wie­der mit eini­gen Beson­der­hei­ten auf­war­ten.

Wie schon im Vor­jahr wur­de die Haupt­ver­an­stal­tung, auf der die Qua­li­täts­ent­wick­lung am “Arbeits­platz Wun­de” the­ma­ti­siert wur­de, um zusätz­li­che Sym­po­si­en – nun vier statt zwei – ergänzt. Das Kon­zept des “Kon­gress im Kon­gress” und auch die beglei­ten­de Fach­mes­se, die sich mit über 50 nam­haf­ten Aus­stel­lern wie­der sehen las­sen konn­te, fand unter den Besu­che­rin­nen und Besu­chern regen Anklang: Denn mit mehr als 1.000 Teil­neh­mern über­traf der IWC 2012 die Vor­jah­res­mar­ke deut­lich und stellt somit einen neu­en Rekord auf.

Schon zu Beginn wur­de nicht mit kla­ren Bot­schaf­ten gespart. “Unge­fil­ter­tes Lei­tungs­was­ser darf nicht zum Spü­len von chro­ni­schen Wun­den ein­ge­setzt wer­den”, so der Wundex­per­te und Hygie­ni­ker PD Dr. Andre­as Schwarz­kopf. In sei­nem Eröff­nungs­vor­trag bezog er sich auf Vor­ga­ben der Kom­mis­si­on für Kran­ken­haus­hy­gie­ne und Infek­ti­ons­prä­ven­ti­on am Robert Koch-Insti­tut. Er wies dar­auf hin, dass frü­he­re Stu­di­en, die den Ein­satz von Lei­tungs­was­ser emp­feh­len, über­wie­gend in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten durch­ge­führt wor­den sei­en. Dort ist das Was­ser jedoch deut­lich stär­ker gechlort als in Deutsch­land. Aus die­sem Grun­de wird hier­zu­lan­de neben dem Ein­satz von Was­ser­fil­tern auch die Ver­wen­dung von ste­ri­len Lösun­gen zur Wund­spü­lung ange­ra­ten, beton­te Schwarz­kopf.

Wel­che Aus­wir­kun­gen eine erfolg­rei­che Durch­füh­rung von Modell­vor­ha­ben gemäß § 63 Abs. 3c SGB V auf den Pfle­ge­be­ruf und vor allem auf die Wund­ver­sor­gung haben wür­den, war Kern des Vor­tra­ges von Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf von der Katho­li­schen Hoch­schu­le NRW. Ihm zur Sei­te stand die Hoch­schul­ab­sol­ven­tin Sabi­ne Koch, die in ihrer Mas­ter­ar­beit unter ande­rem einen Ver­gleich zwi­schen den für die Wund­ver­sor­gung rele­van­ten Aspek­te der Heil­kun­de­über­tra­gungs­richt­li­nie nach § 63 Abs. 3c SGB V mit den gegen­wär­ti­gen Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­ten der Initia­ti­ve Chro­ni­sche Wun­den (ICW) und der Deut­schen Gesell­schaft für Wund­hei­lung und Wund­be­hand­lung (DGfW) gezo­gen hat.

Die letzt­ge­nann­ten Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te waren auch The­ma einer mit Span­nung erwar­te­ten Debat­te zwi­schen Ger­hard Schrö­der von der ICW, und Rai­co Pschich­holz, als Ver­tre­ter der DGfW. Die­se ver­lief über­ra­schend har­mo­nisch, sodass die bei­den Kon­tra­hen­ten am Ende gemein­sam dahin­ge­hend zustimm­ten, dass man “eigent­lich gar nicht so weit weg von­ein­an­der sei” und ein gegen­sei­ti­ges Ange­bot zur Zusam­men­ar­beit bekräf­tig­ten.

Deut­lich kon­tro­ver­ser ging es hin­ge­gen beim Vor­trag des bekann­ten Fach­apo­the­kers Wer­ner Sell­mer zu. Die­ser nahm die als “Zitro­nen­saft­fall” bekann­te Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­ho­fes vom 22. Dezem­ber 2010 (vgl. RDG 2011, S. 132) als chro­no­lo­gi­schen Aus­gangs­punkt für einen Blick auf die sich seit dem voll­zie­hen­den Ent­wick­lun­gen im Wund­ma­nage­ment. Sell­mer spar­te dabei nicht mit Kri­tik an aktu­el­len Stu­di­en­pro­jek­ten, was wie­der­um auf deut­li­chen Wider­hall bei den im Saal anwe­sen­den Pro­jekt­orga­ni­sa­to­ren stieß.

Zeit­gleich zu den Vor­trä­gen im Ple­num beschäf­tig­ten sich vier Satel­li­ten­sym­po­si­en mit Spe­zi­al­the­men der Wund­ver­sor­gung wie der Schwei­ge­pflicht, der Throm­bo­se­pro­phy­la­xe, dem Daten­ma­nage­ment oder der Tele­me­di­zin. Zu die­sem The­ma hat­te die Deut­sche Tele­kom als einer der Part­ner des IWC 2012 neben Fach­vor­trä­gen auch ers­te Umset­zungs­bei­spie­le aus der Pra­xis mit nach Köln gebracht. Dr. Dirk Hochle­nert vom Köl­ner Fuß­netz beleg­te anhand von Erfah­run­gen aus dem All­tag der Wund­be­hand­lung, wie tele­me­di­zi­ni­sche Struk­tu­ren die Abläu­fe bei der Begut­ach­tung, Ver­sor­gung und Kon­trol­le chro­ni­scher Wun­den, wie bei­spiels­wei­se dem Dia­be­ti­schen Fuß­syn­drom, ver­ein­fa­chen und beschleu­ni­gen kön­nen.

Im kom­men­den Jahr wird sich der Inter­dis­zi­pli­nä­re Wund­Con­gress unter ande­rem mit der Klas­si­fi­ka­ti­on des Deku­bi­tus, einer effek­ti­ven und effi­zi­en­ten Behand­lung chro­ni­scher Wun­den sowie den dazu­ge­hö­ri­gen Stra­te­gien der Kos­ten­trä­ger beschäf­ti­gen.

Die­ser Bei­trag erschien erst­mals in der Fach­zeit­schrift Rechts­de­pe­sche.