Gemeinsam geht’s besser

In der 8. Winterakademie, die unter dem Motto „Gemeinsam geht´s besser“ stand, setzten sich 49 Teilnehmer mit den drängenden Problemen in der Versorgung von kranken und pflegebedürftigen Menschen auseinander.

Kennzeichen der Veranstaltung war wieder einmal, dass die lebhaften Diskussionen nicht durch die Grenzen der ambulanten und stationären Sektoren oder die der pflegerischen und ärztlichen Berufsstände limitiert waren.

Prof. Dr. Volker Großkopf startete den fulminanten Programmreigen mit dem Thema „Die rechtliche Verbindlichkeit von Leitlinien, Richtlinien und Standards“. Seine Ausführungen zur haftungsrechtlichen Bedeutung der Qualitätsnormen im Lichte des Sorgfaltsmaßstabes des § 276 Abs. 2 BGB waren der Einstieg in eine kontroverse Debatte über das Spannungsverhältnis zwischen dem zivilrechtlich Gebotenen und sozialrechtlich Möglichen. Klar wurde, dass die Finanzierung eines Leistungsoptimums mit den Mitteln der Kassen in keinem Versorgungsbereich sichergestellt werden kann. Übereinstimmend forderte daher das Plenum ein Tätigwerden des Gesetzgebers, um das Auseinanderdriften von Sozial- und Haftungsrecht zu vermeiden.

Besonderen Raum stellten die Organisatoren den Referenten des „open space total“ zur Verfügung. Impulsreferate, wie z.B. von Martina Röder und Liliana Hrytsyshyn zu einem Förderprojekt zur Integration ukrainischer Pflegekräfte in das deutsche Gesundheitssystem, oder die Tipps von Dr. Jan Basche zum Umgang mit dem MDK und den Sozialversicherungsträgern gaben hinreichend Anlass zum Nachdenken und wurden von den Teilnehmern über die gesamte Veranstaltung hinweg vertieft erörtert.

Dr. Ali Kemal Gün stellte am Folgetag den Themenschwerpunkt „Gesundheitsversorgung von Migranten“ in das Zentrum der Betrachtung. Der erfahrene Psychotherapeut schärfte das Verständnis der Teilnehmer für die besonderen gesundheitlichen Belastungen, indem er u.a. deren Rollenkonflikte, Mehrfachbelastungen und Existenzängste an Beispielen thematisierte.

Hans Härting, Flugkapitän bei Austrian Airline lenkte am darauffolgenden Tag die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf das Thema „Risikomanagement“. Was können Ärzte und Pflegende aus dem Cockpit lernen? Sein Hinweis zu Beginn: „Systeme, die sich auf die Unfehlbarkeit ihrer Mitarbeiter verlassen, werden versagen.“ Im Rahmen eines Videotrainings zeigte er die Bedeutung verbindlicher Kommunikationswege, wenn nötig auch über Hierarchiegrenzen hinweg, auf. Seine Warnung zum Abschluss: Gefahrensituationen entstehen besonders dann, wenn sich Arbeiten regelhaft auf die Erfahrungen stützen, keine Standards vorhanden sind und das Abarbeiten von Checklisten abgelehnt wird.

Rechtsanwalt Hubert Klein ging in seinem Vortrag auf die tatsächlichen Möglichkeiten und juristischen Begrenzungen der organisatorischen Ausgestaltung von Arbeitsverhältnissen ein. Er fokussierte insbesondere die Gestaltung von Dienst- und Urlaubsplänen und die Einteilung zur Nachtwache. Sein warnender Hinweis: „Ist der Plan erst einmal festgeschrieben, gibt es kein zurück mehr – jedenfalls nicht ohne die Beteiligung der Mitarbeiter!“

Veronika Gerber und Zeynep Babadagi von der Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW) erinnerten am letzten Veranstaltungstag daran, dass die Situation von Patienten mit chronischen Wunden in Deutschland verbessert werden muss. Grundvoraussetzung ist ein reibungsloser Ablauf der Prozesse im therapeutischen Team; erforderlich sei aber auch die Mitwirkung des Patienten. Insoweit dürfe nicht die Augen vor den sogenannten Non-Compliant-Patienten verschlossen werden.

Anlässe zum Abgleich der deutschen Arbeitsverhältnisse mit den spanischen erhielten die Teilnehmer der Winterakademie durch die Besuche in der Universitätsklinik „Hospital Insular Las Palmas“ und der Intensivstation des „Hospital Negrin“ mit anschließender Diskussion.

Dieser Beitrag erschien erstmals in der Fachzeitschrift Rechtsdepesche.